Kuba und Raul Castro

Raúl Castro ist klein, wirkt spröde, er hat weniger Charisma und nicht die Aura seines legendären Bruders – dennoch ist ihm seit seinem Amtsantritt vor etwa 7 Jahren etwas Gewaltiges gelungen: Kuba öffnet sich; die Eiszeit mit den Vereinigten Staaten scheint beendet; Papst Franziskus ist ein Verbündeter, die katholischen Kirche scheint die kubanische Revolution als Realität anerkannt zu haben; er durfte im Herbst vor der UN-Vollversammlung sprechen; Minister und Wirtschaftsbosse hofieren ihn (u. a. reiste Vizekanzler Gabriel im Januar nach Kuba).

Raul Castro sein Wirken in Südamerika

Und auch auf dem amerikanischen Kontinent scheint er eine Führungsrolle zu suchen: er trat als Schlichter und Vermittler in dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Militär und den linken Guerillas in Kolumbien auf und erwirkte dadurch die Gesprächsbereitschaft beider Parteien. Somit konnte der Friedensprozess in diesem blutigen Bürgerkrieg eingeleitet werden. Von anderen, linksregierten lateinamerikanischen Ländern, wie z. B. Bolivien, Ecuador oder Venezuela, wird Kuba als Vorbild angesehen.

Modernisierung der Wirtschaft

Auch im Lande tut sich etwas. Nachdem die Wirtschaftleistung jahrelang stagnierte, Kuba bei Fidéls Rücktritt in einer schweren Wirtschaftkrise steckte, scheint es behutsam aufwärts zu gehen. Private Investitionen sind wieder willkommen in Kuba.

Beziehung zu den USA

Raúl scheint ein stiller Stratege zu sein. Er weiß, dass irgendwann die USA das Handelsembargo nicht mehr aufrechterhalten können. Vorausschauend ließ er z. B. den Hafen in Havanna zu einem modernen Containerhafen ausbauen, damit die riesigen Frachtschiffe dort ihre Ladungen löschen können. Die digitale Technik wird auf den neusten Stand gebracht, bald können die Kubaner ungehindert ins weltweite Netz.

Auch die Kubaner selbst werden behutsam auf die zukünftigen Änderungen vorbereitet. Anders als die Menschen in den Ostblockstaaten, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vom Kapitalismus regelrecht überrannt wurden, möchte Castró durch seine, wie es scheint – kleinen Schritte, – einen behutsame Öffnung hin zu mehr Privatwirtschaft, privaten Investitionen und weniger staatlicher Regulierung.

Dennoch lässt Castró verlauten: Die Ideale werden niemals verraten.

Wir dürfen gespannt sein, wie Kuba mit Raúl Castró diesen Spagat zwischen revolutionären Idealen und „privatwirtschaftlichen Kapitalismus“ meistern wird.

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